Freundeskreis Kloster Klingenmünster e.V.
Freundeskreis Kloster Klingenmünster e.V.

Kloster Klingenmünster

 

Ein kleiner Geschichtsabriss des ehemaligen Benediktinerklosters

 

Die Baugeschichte des Klosters Klingenmünster ist bis ins 12. Jh. kaum bekannt. Es gab keine planmäßigen Ausgrabungen wodurch Alter und Baugestalt der frühmittelalterlichen Gründung archäologisch bisher kaum zu erschließen sind. Sogar die Lage des Klosters ist vor dem 12. Jh. nicht gesichert. Es gibt Hypothesen, die aus dem frühen Namenswechsel von Plidinfeld zu

Clingo/ Clinga einen Ortswechsel vom heutigen Pleisweiler nach Klingenmünster annehmen.

Aussagekräfte Befunde fehlen.

 

8. Jh.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft gründete der Mainzer Erzbischof Gerold das Kloster, vermutlich weil er den Einfluss des Bistums Speyer, das u.a. das Kloster Weißenburg (Wissembourg) stiftete, schmälern will. Enge Verbindungen zu Mainz sind glaubhaft belegt.

Seit Anbeginn ist vermutlich St. Michael der Hauptpatron des Klosters. Zudem befolgten die Mönche wohl anfänglich die Regeln des hl. Columban. Wann genau Karl der Große die Benediktinerregeln in den Klöstern seines Reiches durchsetzte ist nicht belegt. Die schriftlichen Zeugnisse des 8. und 9. Jh. lassen vermuten, dass in Klingenmünster ein Konvent aus Priestern und Mönchen lebte, die sich zunächst der karolingischen Reform entzogen.

Belegt ist in dieser Zeit die Gebetsverbrüderung zwischen den Klöstern Reichenau und St. Gallen und dem Kloster Clingo oder Plidinfeld  (Bldenfeld). Plidinfeld scheint der ursprüngliche Name des Klosters zu sein, er taucht in den späteren Quellen jedoch nicht mehr auf. 

 

782

 

 

 

 

 

Karl der Große erlässt dem ersten schriftlich belegten Abt des Klosters Fleido (auch Fraido) - in personalunion auch Bischof von Speyer - die Abgabenzahlung. Anhand der ersten Reichenauer Verbrüderungsliste ist nachzuvollziehen, dass Fleido ab 780 bereits Bischof von Speyer war. Unter Abt Fleido zählt das Kloster etwa 30 Mönche.

 

813

 

 

 

Klingenmünster ist 813 in einem Verzeichnis der Reichsklöster aufgeführt. Die Nennung als Notitia de servitio des monasteriorum legt eine Einstufung als Reichskloster nahe.

 

819

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus einem Kapitular (hoheitliche Anordnung im Sinne eines Gesetzes) König Ludwigs des Frommen (Sohn des 814 verstorbenen Karl) geht hervor, dass die Benediktinerabtei „clinga monasterium“ ein von Abgaben und der Verpflichtung zur Bereitstellung von Kriegern befreites Königskloster ist. Das Kloster ist lediglich gehalten für das Wohl des Königs, seiner Familie um den Fortbestand des Reiches zu beten. Die Benediktinerregeln sind in dieser Zeit zu den wichtigsten der Karolinger geworden. Gegründet um 529 von Benedikt von Nursia, pflegten die Ordensbrüder strengen Gehorsam gegenüber ihrem Abt, verpflichteten sich zur Schweigsamkeit, Beständigkeit und Demut. Der größte Teil des Tages ist gemeinsamem oder persönlichem Gebet gewidmet oder wird in Stille, mit Meditation und geistiger Lektüre verbracht. Nach Benedikt sollte ein Kloster so eingerichtet werden, dass sich innerhalb seiner Mauern alles Notwendige wie Wasser, Mühle, Garten und die verschiedenen Werkstätten befinden.

 

826-847

 

 

 

 

 

 

Der Erzbischhof Otgar von Mainz wird zusätzlich Abt in Klingenmünster. Neben den Leitungspersonen gehörten in dieser Zeit 14 Priester, fünf Diakone und 13 Mönche dem Konvent an. Die Verbrüderungsliste zeigt, dass das Kloster in der Karolingerzeit unter den Äbten Fleido und Otgar in einem guten Zustand ist aber sicherlich nicht mit den großen Reichsklöstern verglichen werden kann.

 

840

 

 

 

 

 

 

Ein  Brand zerstört die Bibliothek und das Archiv des Klosters, wie ein Urkunde Kaiser Ludwig des Deutschen 848/849 festhält. Aufgrund des Dokumentenverlusts werden die Rechte und Besitzungen des Klosters 848/ 849 durch die Pancarta Ludwig des Deutschen bestätigt. Das Kloster steht mehrere Jahre leer. Die Mönche bitten Mainz um Unterstützung und Wiederaufbau. 

 

847/849

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mainzer Erzbischof und wohl auch Rektor von Klingenmünster, Hrabanus  Maurus, bemüht sich um den Wiederaufbau der Abtei. Für die Altäre der Klosterkirchen sowie das Reliquien-Grab des heilig gesprochenen Märtyrers Theodul (die Reliquien sollen durch Karl den Großen nach Klingenmünster gelangt) und einen Evangelienschrein lässt er Tituli (Inschriften) verfassen. Im Titulus für das Grabmal heißt es: „Aber das schädliche Feuer verzehrte mit unterschiedlichem Ergebnis alle diese Gebäude und das Dach der Kirche. Viele Jahre hindurch blieb dieser Ort öde, vom Brand verwüstet und keiner baute ihn wieder auf. Bis endlich, von Liebe zu Christus gedrängt, Hraban, unwürdiger Bischof, hierhin kam, um ihn zu erneuern. Er erneuerte kunstfertig dieses Kirchengebäude und errichtete den Altar, und barg hier erneut den Leib des Heiligen.“

Hrabans Tituli zeigen, dass es im Klosterareal zwei Kirchen gab: Die Salvatorkirche (vermutlich auch für Laien zugänglich) mit fünf Altären und dem Grab des hl. Theodul sowie die Michaelskirche (für die Chorgebete der Mönche) mit drei Altären (Erzengel Michael, Dionysius, Laurentius). Wie die Kirchen angeordnet waren, lässt sich nur archäologisch klären. Im Hochaltar der Michaelskirche ruhen später auch Reliquien von Papst Leo und der hl. Marcellinus, Praxedis und Eugenia.

Obwohl das Kloster Weißenburg etwa zur gleichen Zeit abbrennt, bemühte sich Hrabanus Maurus, dessen Vorgänger Otgar auch Abt in Weißenburg war, nicht um dessen Wiederaufbau.

 

890

 

 

Hatto I. (Erzbischof von Mainz) ist u.a. auch Abt des Reichsklosters Klingenmünster. 

 

10.-12. Jh.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Skriptorium des Klosters gibt es wenige Zeugnisse. Eines ist ein Lektionarfragment des 10. Jh. mit Nachträgen aus der Zeit um 1100 sowie ein Translationsbericht des hl. Theodul.

Das Skriptorium hat um 1100 mehre sorgfältige Urkundefälschungen hergestellt, zwei von Urkunden Ludwig des Deutschen, eine auf Kaiser Heinrich II., eine auf Kaiser Heinrich IV. Möglicherweise brachte der ehemalige Notar Heinrichs IV., Gottschalk und Abt des Klosters, ein Konzeptbuch und Urkundenblanketts mit, die bis 1135 für die zahlreichen Klingenmünsterer Fälschungen genutzt werden.

 

1023

 

 

Der Klingenmünsterer Abt Adalbert nimmt an der Mainzer Provinzialsynode in Seligenstadt teil. 

 

1080

 

 

 

Der Salier Kaiser Heinrich IV. (Trifels) bestätigt die Abgabenfreiheit des Klosters. Die Gemeinschaft muss lediglich ein Pferd samt einem Sack Weizenmehl für Heereszüge zur Verfügung stellen.

 

1110

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Glanzzeit erlebt des Klosters unter Abt Stephan I., der auch Abt von Weißenburg, Selz und Limburg an der Haardt sowie consiliarius Heinrich IV. ist. Unter ihm wird mit einem Neubau der romanischen Klosterkirche begonnen. Schenkungen, Stiftungen und billige Ankäufe vergrößern den Klosterbesitz. Rund um das Kloster siedeln sich verstärkt Handwerker, Bauern und Händler an. In jener Zeit lebt vermutlich auch der hochgebildete Benediktinermönch Gottschalk von Aachen im Kloster Klingenmünster. (Zwischen 1071 und 1088 ist er als Kaiserlicher Notar bezeugt. Auf ihn geht im Investiturstreit das Schreiben Kaiser Heinrich IV. an den Papst zurück.) Gottschalk wurde in Klingenmünster von dem Mönch und Liedermacher Heinrich ausgebildet. Er kommt nach seinem Dienst beim Kaiser wieder ins Kloster zurück. Es wird vermutet, dass Stephan und Gottschalk einige der mittelalterlichen Urkundefälschungen Klingenmünsters fertigen ließen (s.o.), vermutlich auch die Gründungsurkunde König Dagoberts. 

Wie im Pfälzischen Klosterlexikon zu lesen, sollten die Fälschungen u.a. wohl die Rechte des Mainzer Erzbischofs stärken und die „Frontstellung“ des Klosters gegenüber dem Speyerer Bischof bzw. den Vögten des Klosters stützen. Explizit wird Klingenmünster „als Mainzer Eigenkloster“ bezeichnet, das schon Dagobert den Erzbischöfen geschenkt haben soll. Auch anderweitig habe das Erzbistum Mainz gerade in diesen Jahrzehnten verstärkt versucht Klöster dem Einfluss von Diözesanbischöfen und Vögten zu entziehen.

 

Der Klingenmünsterer Mönch Konrad wird Abt von Ebersheimmünster im Elsass.

 

1115

 

 

 

 

 

Adalbert I. von Saarbrücken, Erzbischof von Mainz, bestätigt die Freistellung der Abtei von allen königlichen, bischöflichen und vogteilichen Diensten und Lasten. Es geschah nicht ohne Eigennutz: Graf Adalbert will seine Verwandtschaft in Klingenmünster in Amt und Würde bringen. 

 

1176

 

Stephan II. ist Abt in Klingenmünster.

 

1198

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kloster leistet jährliches Gebetsgedenken für den verstorbenen Heinrich von Dahn und dessen Gattin Anges. Für diesen Ewigkeitsdienst hatte Heinrich dem Kloster vier Joch Weinberge übermacht und darum gebeten, dass an ihrer beider Annivers-Tag den Klosterbrüdern eine Hemina Wein (eine Maßangabe nach Benediktinerregel, die die täglich ausgegebene Ration Wein verdoppelt) gegeben werde und das von Heinrich gestiftete Ewige Licht am Johannesaltar brenne. Diese Stiftung ist am Eingang zum Westbau-Obergeschoss inschriftlich festgehalten. Wo Heinrich begraben liegt ist nicht bekannt.

 

1203

 

Burkard von Kropsburg ist bis ca. 1213 Abt von Klingenmünster.

 

1206

 

 

 

Das Kloster erhält Seelgerätsstiftungen (Gottesdienststiftung/ Gebetsgedenken) für Heinrich von Meistersel (1206), Heinrich von Krobsburg (1238) und Fritz von Horbach (1244).

 

1220/30

 

 

 

 

 

 

In der gefälschten Gründungsurkunde steht, dass König Dagobert dem Kloster die Münzrechte übertragen habe. Auf dieser Grundlage scheint das Kloster dann Denare nach Speyerer Schlag geprägt zu haben. Sieben unterschiedliche Typen zeigen jeweils das Bild eines Abtes und ein Kirchengebäude. Die hohe Zahl dieser Prägungen im Schatzfund von Gleisweiler spricht für die Zuordnung nach Klingenmünster. 

 

1224

 

 

Papst Honorius III. stellt das Kloster unter den besonderen Schutz des römischen Stuhls. 

 

1238

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Jahr wird erstmals die Geizersmulen (Kaiserbachermühle am nördl. von  Klingenmünster  fließenden Kaiserbach) als Klostermühle schriftlich erwähnt. Vermutlich besteht damals bereits direkt im Klosterbezirk eine Mühle, die spätere Keysermühle. Eine weitere Mühle befindet sich vermutlich westlich des Klosters, im Klingbachtal. Zur Betreibung der östlichen Mühle (Keysermühle) wird der heute noch existierende Mühlkanal angelegt und der Klingbach umgebettet. 

Stiftsgut Keysermühle >>>

Bürgerstiftung Pfalz >>>

 

1281

 

 

Zum „Fernbesitz“ des Klosters gehören Lehen in Markgrönigen, Hechingen und Marbach in Schwaben.

 

13. Jh.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Einfluss  des Erzbischofs von Mainz bleibt im 13./14. Jh. zumindest teilweise erhalten. Bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts sind die Klosterlehen zu großen Teilen in die Hände der Grafen von Leiningen und Zweibrücken übergegangen, die in gerader männlicher Linie von den Grafen von Saarbrücken abstammten.

Die Beziehung zur Herrschaft Landeck lässt sich 1237 erstmals urkundlich nachweisen. Lehensurkunden  belegen die Beziehungen des Klosters zum südpfälzischen und elsässischen Adel, allen voran die Grafen von Leiningen und Zweibrücken. Die Burg Landeck ist Lehen der Grafen von Zweibrücken, Leiningen später von Zweibrücken-Bitsch, der Herren von Ochsenstein und der Bischöfe von Speyer.

Im 13 Jh. berichtet die bischöflich-speyerische Finanzkammer von lediglich durchschnittlicher Finanzkraft des Klosters. Das Kloster hat in jenen Jahren aber noch Fernbesitz, der sich jedoch im folgenden Jh. auf lokale Besitztümer reduziert.

Im Mittelalter stehen Kloster und Stift offenbar außerhalb des Pfarrverbandes, d.h. die Gemeinde Klingenmünster gehört zur Pfarrei Gleiszellen (Landdekanat Herxheim) und muss dort den Gottesdienst besuchen.

Burg Landeck >>>

 

1322 Der "hoff zum Mulbawm" (Haus zum Maulbeerbaum) in Landau geht in den Besitz des Klosters über.

14. Jh.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Burg Landeck ist weiterhin als Lehen des Klosters Klingenmünster vergeben und teilweise mit der Vogtei über das Kloster verbunden.

Während des 14., aber vor allem im 15. und 16. Jh. hatte das Kloster folgende Rechte: An- und Verkäufe, Verpfändungen oder Verleihungen von Rechten, Zehnten, Gütern, Äckern sowie Weinbergen bzw. der Vergabe in Erbbestand an Nieder- und Nichtadelige aus der Umgebung. Die daraus erzielten Gewinne zählen neben der Landwirtschaft und dem Weinbau zu den zentralen Einnahmequellen des Klosters. Daneben verfügt das Kloster, und später auch das Stift, über einige bedeutende Rechte (z.B. Schultheißrecht) und Grundbesitz in Dörfern der Umgebung (z.B. in Bergzabern, Gleiszellen, Göcklingen, Gossersweiler, Heuchelheim, Ingenheim, Insheim, Landau, Offenbach, Ottersheim, Pleisweiler, Rohrbach, Schwanheim, Steinweiler, Vorderweidenthal) oder das Besthauptrecht (die Abgabe des besten Stück Viehes oder des besten Gewandes beim Tod des Leib- oder Grundhörigen) sowie das Bannweinrecht* (u.a. in Klingenmünster, Göcklingen, Gleiszellen, Oberhofen, Pleisweiler, Bergzabern, Weiler, Münchweiler, Gosssersweiler, Vorderweidenthal und Schwanheim).

Kleinere Besitzungen gab es in: Appenhofen, Arzheim, Bärenbronn, Bellheim, Billigheim, Birkenhördt, Blankenborn, Darstein, Gleishorbach, Gleisweiler, Godramstein, Großfischlingen, Ilbesheim, Imfplingen, Kapellen, Klingen, Mühlhofen, Münchweiler, Niederhorbach, Nußdorf, Oberhofen, Oberlustadt, Oberschlettenbach, Ranschbach, Schwegenheim, Servelingen, Silz, Stein, Ungstein, Völkersweiler und Weiher.

 

* Bannrechte sind monopolistische, strafbewehrte Vorschriften, mit denen die Grundherrschaft (Bannherren) die auf ihrem Besitz Ansässigen (die Bannpflichtigen) dazu zwangen, herrschaftseigene Einrichtungen zu benutzen (z.B. Straßen-, Mühlen-, Schlachthaus-, Backhaus-, Brauhaus-, Badhauszwang oder die Verpflichtung, weibliche Tiere zum Decken den herrschaftseigenen Beschälern zuzuführen). Mittelpunkt eines adeligen Bannbezirks war üblicherweise eine Burg, von der aus Schutz geboten sowie die Verwaltung betrieben wurde. Bannrechte konnten weiterverliehen (etwa an Klöster) oder verkauft (z.B. an Städte) werden.

 

1369

 

 

Abt Heilmann ist Schiedsrichter in einem Streit zwischen den Klöstern Hornbach und Eußerthal.

 

15. Jh.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zumindest in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ist das Kloster eine vornehmlich adelig besetzte Benediktinerabtei. Die Mönche stammen primär aus dem umliegenden Einzugsgebiet. Selbst ein Großteil der Besitzungen ist in diesem und im nächsten Jh. an Adelige ausgegeben und damit dem direkten Zugriff des Kloster entzogen. Unter den Lehensgütern des Klosters befinden sich Anteile an Burgen (Landeck, Drachenfels) und Dörfern, verbunden mit verschiedenen Rechten, im Spätmittelalter verstärkt Rentenlehen. Nach dem Tod eines Vasallen, werden die Lehen zumeist an dessen Nachfolger ausgegeben. Das bedeutendste Lehen des Klosters bzw. Stifts war die Herrschaft Landeck mit Sitz auf der gleichnamigen Burg. Zur Herrschaft gehörte eine große Zahl von Dörfern mit dazugehörigen Rechten. Besitzer der Herrschaft waren die Grafen von Leiningen und die von Zweibrücken. Nachweislich als Lehensträger lassen sich die Herren von Ochsenstein, die Grafen von Zweibrücken-Bitsch und Ende des 15. Jh. auch die Kurpfalz belegen.

Ein Großteil der Klingenmünsterer Vasallen, darunter die Eckbrechte von Dürkheim, die Herren von Zeiskam, die Altdorf gen. Wollenschläger und die von Mühlhofen, rektrutiert sich – bis zum Auftreten der Kurpfälzer - aus dem Niederadel der Region.

 

1415

 

 

Der Landauer Hof Zum Nußbaum geht mitsamt Zubehör in den Besitz des Klosters über. 

 

1430

 

 

 

 

 

 

Klingenmünster tritt im Mittelalter als adelige Grablege kaum in Erscheinung. Erhalten hat sich lediglich der Grabstein der Gräfin Loreda von Bitsch, deren Mutter sich im 15. Jh. als Mitgemeinerin auf der Burg Landeck nachweisen lässt. Das figürliche Grabmal wurde 1929 zerschlagen wieder aufgefunden und steht heute stark restauriert in der Südwestecke der Kirche.

 

1443

 

 

Die Mühle zu Göcklingen geht in den Besitz des Klosters Klingenmünster über.

 

1444

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit dieser Zeit steht das Kloster unter dem Schutz Kurfürst Ludwig IV. und damit der Kurpfalz. Es hat ein jährliches Schirmgeld von 25 Gulden zu zahlen und wird in die kurpfälzische Ämterverfassung eingegliedert. Zuständiges Amt bei Rechtsstreitigkeiten sind jetzt das Oberamt Germersheim und das Heidelberger Hofgericht. Gleichzeitig erneuerte der Kurfürst die klösterlichen Rechte und Freiheiten und spricht das Kloster von der Stellung von Reißwagen (Kriegswagen) für die Landesherrschaft im Konfliktfall frei. Im Pfälzischen Klosterlexikon ist zu lesen, dass unter den Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen und Philipp dem Aufrichtigen die kurpfälzische Einflussnahme stetig zunimmt. Die wenigen Mönche und Äbte entstammten jetzt so gut wie alle Familien des kurpfälzischen Adels. Auch die Lehen des Klosters gehen verstärkt an kurpfälzische Familien und Amtsträger, darunter die Vögte von Germersheim und der kurpfälzische (Vize-) Kanzler sowie die Brack von Klingen (Ritter).

 

1452

 

 

 

 

 

 

 

Erzbischof Dietrich fordert in einem Mahnschreiben die Abtei zu besserer Zucht auf, das Verhalten der Konventsmitglieder entspricht immer weniger dem benediktinischen Ideal. Die Anzahl der Klosterbrüder ist mit sechs bis sieben (1470) und vier 1490/91 auf einem Tiefpunkt angekommen, ebenso die Moral: Die adeligen Mönche heben sich durch ihre Kleidung von den nichtadeligen ab, verfügten über Eigenbesitz und haben ihre Lebensform der von Stiftsherren angeglichen.

 

1457

 

 

 

 

 

 

 

 

Abt Bernhard Schilling von Surburg (1434–1457) legte 1457 die Abtswürde im Kloster nieder, weil er den Anforderungen des Mahnschreibens nicht entsprechen kann.

Sein Nachfolger Abt Erpho Brack von Klingen (1457–1483) führte die notwendige Reform ebenfalls nicht durch und verfolgt mehr seine eigenen familienpolitischen Interessen. Die Reformvorschläge in einem erneuten Mahnschreiben, diesmal von Bischof Matthias von Rammung aus dem Jahr 1469, werden ebenfalls nicht vollzogen.

 

1479

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Kloster leben nur noch sieben disziplinlose Mönche“, fast alle Angehörige des regionalen Ortsadels. Einer davon, Georg von Engasse, muss dem Abt nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis von Pleisweiler Urfehde (beeideter Fehdeverzicht) schwören. Ein anderer, Nicolaus Nuter, sitzt längere Zeit wegen „Misshandel“ in diesem Gefängnis. Die wirtschaftliche Lage des Klosters ist zwar solide, das Ordensleben aber nicht mehr erneuerungsfähig.

Durch die verschiedenen Veräußerungen des Klosterbesitzes schwindet die wirtschaftliche und politische Einflussnahme. Die adligen Familien der Umgebung lassen jedoch ihre nachgeborenen Söhne aus Versorgungsgründen weiterhin in das Kloster eintreten. Es entwickelt sich ein lebhafter Besucherverkehr der Verwandten und in der zweiten Hälfte des 15. Jh. ist das Ordensleben völlig im Verfall begriffen.

 

1484

 

Kurfürst Philipp nimmt das Lehen der Burg Landeck.

 

1488

 

 

 

 

 

 

Finanzielle Probleme haben zum weiteren Verkauf von Klostergütern geführt, so der Verkauf des in Landau neben der Stiftskirche stehenden Klosterhofs Zum Mulbaum. Der Bürgermeister und Rat der Stadt Landau zahlt, mit Einverständnis des Kurfürsten, 1041 Gulden. Später wird der Hof zur Herberge Zum Maulbeerbaum umfunktioniert. Zu den Klostergütern in Landau zählt auch Haus und Hof St. Urban

 

1490

 

 

 

 

 

 

 

Papst Innozenz VIII. wandelt, auf Betreiben Kurfürst Philipps, in einer Bulle vom 18. November das Benediktinerkloster in ein weltliches Kollegialstift um. Es wird ab sofort von einem in Mainz bestätigten Propst gleitet, Stellvertreter ist ein Dechant. Der Probst darf die geistlichen und weltlichen Lehen vergeben, ausgenommen sind die Pastorien in Wollmesheim und Knöringen. Der letzte Abt, Eucharius von Weingarten (1483–1490), wird zum ersten Propst erhoben. 

 

1491

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die pfälzischen Kurfürsten nehmen, gegen Zahlung von jährlich 25 Gulden Schirmgeld, auch das Stift in Schutz. Die Bezeichnung Stiftspfarrei Klingenmünster geht auf diese Zeit zurück. Mit der Umwandlung der Klosterkirche in eine Stiftskirche ist die Übernahme der Seelsorge in Klingenmünster verbunden.

Nach der Übernahme durch die kurpfälzische Verwaltung wird das Stiftsgebäude, insbesondere der Klausurwestflügel, zunehmend als Wirtschaftsgebäude benutzt (heute in Privatbesitz).

Zumindest ein Teil des alten Klosterarchivs geht nach Heidelberg wo der Kurfürst eine „Geistliche Güteradministration“ eingerichtet hat. U.a. wird hier das ehemalige Kloster Klingenmünster und die dazugehörige Klostermühle verwaltet und verpachtet.

 

1494

 

 

 

 

 

 

 

Probst Eucharius von Weingarten hat sich so weit mit seinen Mitkanonikern zerstritten, dass der Bischof von Speyer schlichten muss. Er quittiert noch im gleichen Jahr sein Amt und macht damit den Weg für einen der Söhne Kurfürst Philipps frei: Pfalzgraf Ruprecht. Der dreizehnjähre Ruprecht dürfte nicht in Klingenmünster, sondern in Heidelberg residiert haben. Er erneuerte seines Vaters Lehen der Herrschaft Landeck.

 

1498

 

 

 

 

Probst Ruprecht legt seine kirchlichen Ämter nieder und heiratet 1999 die Erbtochter Herzog Georgs von Bayern-Landshut. Die Propstei bleibt aber fest in kurfürstlicher Hand und wird von Ruprechts jüngerem Bruder Johann übernommen – ein ebenfalls noch unmündiger Knabe.

 

1499

 

Johann, Sohn des Kurfürsten, übernimmt die Propstei (1499–1507). 

 

1504/

1505

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kloster leidet unter der bayerischen Fehde und dem Landshuter Erbfolgekrieg, eine familieninterne Erbstreitigkeit zwischen den bayerischen und pfälzischen Wittelsbachern, in den schließlich auch die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und König Maximilien I. eingreifen.

 

Die Konflikte zwischen den Herzögen führen dazu, dass Herzog Alexander von Pfalz-Zweibrücken das stark an die kurfürstlichen Wittelsbacher gebundene Kloster brandschatzt. Um den Ruin des Stiftes abzuwehren, verpfändet Propst Johann einige Dörfer des Klosters und wendet sich schließlich mehr seinen Aufgaben als Administrator Regensburgs zu. Er lässt sich letztmals 1507 als Propst nachweisen.

 

Da die Kurpfälzer bei den Erbstreitigkeiten unterliegen, gerät das Stift Klingenmünster mehr und mehr unter den Einfluss der Habsburger. 

 

1502

 

 

 

 

 

 

Die Bibliothek von Klingenmünster ist zwar verloren aber 1502 preist der Pleban Eucharius Henner (Gallinarius) in einem Brief an Wimpflingen die Vorzüge Klingenmünsters. Hier gebe es „liebenswerten Wein, gesunde Luft, gute Gemeinschaft und in der Bibliothek uralte Bücher“, an denen er Freude fände. Dies ist der einzige konkrete Hinweis auf die Klingenmünsterer Klosterbibliothek.

 

1505

 

 

 

Klingenmünster wird als Königsstiftung in den Schutz der Landvogtei Hagenau aufgenommen. Das elsässische Hagenau war im Zuge des Erbfolgekrieges von den Wittelsbachern an König Maximilian I. gegangen.

 

1506

 

Stiftskustos Jakob von Thierberg lässt ein Viktarienhaus errichten. 

 

1508

 

 

 

 

 

 

 

Herzog Alexander von Pfalz-Zweibrücken muss für seine Brandschatzung in Klingenmünster eine Schadensersatzzahlung von 4.000 Gulden leisten.

Trotzdem fehlen dem Kloster offensichtlich Gelder. Im gleichen Jahr wird die Kelter in Bergzabern verkauft. In der pfalz-zweibrückischen Amststadt Bergzabern besitzt das Kloster bzw. Stift zudem einen Hof. Der Hof mit St. Johannes-Kapelle schließt direkt an die Stadtmauer an. Im 15. und 16. Jh. wird der Hof mehrfach von Zollzahlungen befreit. 

 

1511

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der habsburgernahe und aus Straßburg stammende Wolfgang Böcklin von Böcklinsau übernimmt das Propstamt. Die Chorherren erklären noch im gleichen Jahr ihren Probst für verstorben und wählen einen weiteren Sohn Kurfürst Philipps zu dessen Nachfolger. Die Wahl Pfalzgraf Wolfgangs ist allerdings ungültig, da Propst Wolfgang Böcklin lebt. Er steht dem Stift bis 1530 vor. 1513/1514 ist er für die Begutachtung des neugewählten Abts von Hornbach zuständig.

Die pfälzischen Wittelsbacher bleiben in der Herrschaft Landeck präsent und verfügen weiterhin über die Schirmherrschaft des Klosters.

 

1516

 

 

 

Da der Probst durch ständige Abwesenheit in Klingenmünster glänzt, wird er nicht mehr an den Einnahmen des Stifts beteiligt. Er wird nur noch mit 100 Gulden jährlich entlohnt. 

 

1518

 

 

Der romanische Westbau der Stiftskirche erhält ein neues Portal und eine neue Kapelle im Obergeschoss (teils noch heute erhalten).

 

1526

 

 

 

 

 

 

 

 

Trotz wiederholter Schutzbriefe Kaiser Karl V. wird das Stift im Bauernkrieg von Ackerern aus den zu Klingenmünster gehörenden Dörfern Pleisweiler und Oberhofener geplündert. Ziel scheint vor allem das zum Kloster gehörende Schloss Pleisweiler (vermutlich ehemaliger Fronhof des Klosters, der auch als Gefängnis genutzt wurde) gewesen zu sein, da  die Bauern dort ihre Abgaben zu leisten haben. Kurfürstliche Truppen schlagen den Aufstand rasch nieder und die Chorherren erhalten eine Entschädigung von 200 Gulden.

 

1530

 

 

 

Nach dem Tod Propst Böcklins residiert mit Leonhard Schnorrer (1530–1538) der fünfte und letzte Propst im Stift. Mit ihm kommt der Dechant Kaspar Pax (1530-1541) nach Klingenmünster.

 

1538

 

 

 

Der Papst und der Erzbischof von Mainz geben ihr Einverständnis zur Einsparung der Propstei. Von jetzt an leitet der Dechant Kaspar Pax das Kollegialstift. 

 

1544

 

 

 

Dechant Pax vergibt mit Einverständnis Kaiser Karls V. die Lehen. Im Stift selbst scheinen in den folgenden Jahrzehnten die ehemals kurpfälzischen Familienmitglieder durch Nichtadelige ersetzt worden zu sein.

 

1560

 

 

 

Das in den 1560-er Jahren angelegte Lagerbuch wird im Original in Landesarchiv Speyer aufbewahrt. Es ist aufgrund von Kriegseinwirkungen nur noch schlecht lesbar. 

 

1565

 

 

 

 

 

 

Kurfürst Friedrich III. führte in der Kurpfalz die Lehre Calvin ein und verlang von den Stiftsherren die Annahme des calvinistischen Glaubens. Er besucht persönlich Klingenmünster, enthebt den Dechanten seines Amtes und kritisiert die Stiftsherren – wie vorher bereits der Speyerer Bischof – für ihre Konkubinate. Die Stiftsherren wenden sich daraufhin an den Reichslandvogt, aber ohne Erfolg.

 

1567

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bedingt durch die Reformation werden 1567 alle Klöster aufgehoben und die Einrichtungen zerstört. Im Kloster Klingenmünster gibt es weiterhin zahlreiche Konkubinarier, gegen die der Bischof in Speyer nicht vorzugehen wagt. Das Kloster wird schließlich aufgelöst und in ein Chorherrenstift umgewandelt. Die Pfalz wird protestantisch. In der Stiftskirche wird eine protestantische Pfarrei eingerichtet, die vom Stift besoldet wird. Erstmals wird die Kloster-/ Stiftskirche als Pfarrkirche genutzt. Die Gemeinde Klingenmünster muss nicht mehr zum Gottesdienst nach Gleiszellen. Die Klostermühle wird in Reformationszeiten Teil kurpfälzischer Güterverwaltung in Heidelberg und wird verpachtet. Das Stift Klingenmünster verliert mehr und mehr an Bedeutung.

 

Der greise Dekan Johann Ziegler verstirbt. Der Stiftskustos (Wächter) Niklaus Will übergibt daraufhin alle Urkunden, Akten und Register an die kurpfälzischen Beamten in Heidelberg. Damit ist die Säkularisierung vollendet. Niklaus Will wird daraufhin der erste weltliche Stiftsvorsteher. Im gleichen Jahr lässt sich auch erstmals ein evangelischer Prediger in Klingenmünster nachweisen. 

1575

 

 

 

Nikolaus Will lässt die Stiftsschaffnerei (Weinstr. 69) nordwestlich außerhalb der Umfassungsmauer des Stifts errichten. Nach seiner Ernennung zum Dechanten bewohnte er das Gebäude auch.

 

1620

 

 

 

 

 

 

Nach der Niederlage des „Winterkönigs“ Kurfürst Friedrich V. bei Prag gelangt das Stift unter österreichischer Herrschaft.

Auf der gezeichnete und beschriftete Vedute (Startseite unserer Website) eines unbekannten Frankenthaler Niederländers ist die Klosterkirche als langgestreckte, kreuzförmige Basilika mit Westbau und hohem Vierungsturm zu erkennen.

 

1631/32

 

 

 

 

Das Stift wird während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet und gelangt wechselseitig unter österreichische, schwedische und französische Herrschaft. Der durch Brände beschädigte Ostflügel des Klosters wird 1625 als Wohnung für einen katholischen Pfarrer wieder hergestellt.

 

1650

 

Das Kloster ist wieder kurpfälzisch.

 

1680

 

 

Bis 1697 steht das Stift wieder unter französischer Herrschaft und wird dann wieder kurpfälzisch.

 

1684

 

 

 

Im Zuge der Gegenreformation Ludwig XIV. wird Klingenmünster wieder dauerhaft katholisch, ohne jedoch seine ehemalige Bedeutung wieder zu erlangen. 

 

1688

 

 

Der franz. König Ludwig XIV. marschiert mit seinen Truppen in der Pfalz ein (Pfälzischer Erbfolgekrieg).

 

1699

 

 

 

 

 

Ludwig XIV. lässt die seit dem Dreißigjährigen Krieg unbenutzbare Stiftskirche sowie das Kloster restaurieren. Er verleiht die nunmehr wieder kath. Stiftspfründe an Pfarrer Johann Baptist Sattler, der damit zum Stiftspropst wird. Das Stift wird der geistlich-kath. Verwaltung in Heidelberg unterstellt.

 

1711-

1732

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich Wilhelm von Bicken ist der letzte Propst und Administrator des Stifts. Er lässt Urkunden und Akten des Stifts nach Heidelberg überführen. Heute sind die Quellen auf mehrere Archive verteilt. Die älteren Urkunden des Klosters (bis Ende des 14. Jh.) werden im Hauptstadtarchiv München aufbewahrt, in Kopie auch im Landesarchiv Speyer. Dort befinden sich auch die Urkunden ab 1400. Darüberhinaus ist Quellenmaterial u.a. in Karlsruhe, Darmstadt, Heidelberg, Innsbruck, Koblenz, Landau, Rom, Straßburg und Wien zu finden.
 

1735-

1737

 

 

 

 

 

 

 

Die seit Jahren baufällige romanische Stiftskirche wird von Johann Kaspar Valerius abgetragen und auf den alten Fundamenten neue errichtet. Die romanische „136 Werkschuhe“ lange Basilika wird bis auf die Stümpfe der Westtürme und Teile der Außenwände abgebrochen und durch einen barocken Kirchensaal mit Sakristei ersetzt. Der neue Westturm entsteht über dem Mittelteil des Westbaus, seitliche Halbgiebel binden das Kirchendach ein. Am Turm sind im barocken Dachraum zahlreiche zeitverwendete Werksteine sichtbar.

 

1792-

1797

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die französischen Revolutionsarmeen plündern die Stiftskirche. Die geistlichen Güter werden versteigert, die seelsorgerische Stifts-Vikarie wird Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. Das Stift verliert seine Rechtsgrundlage. Die Stiftsimmobilien werden am 15.8.1795 in Mainz zur Versteigerung angeboten. Neben Häusern, Speichern, Feldern, Wiesen und Gärten kommt auch die Mühle unter den Hammer. Käufer ist Friedrich Couvert aus Oberhausen.

 

Wegen des Ausbaus der Landstraße (seit den dreißiger Jahren die Weinstraße) wird die Klostermauer zum Teil eingerissen. Durch den Einmarsch der französischen Truppen kommt das Stift wieder in französische Hand. Bis 1814 gehört es zum Département du Bas-Rhin, Arrondissement Wissembourg, Canton Bergzabern.

Die Nationalgüterveräußerung im Rahmen der Franz. Revolution besiegelt das Ende der Verwaltungseinheit.

 

1814


 

Das Stift, wie auch die heutige Pfalz, gehört bis zur Gründung von Rheinland-Pfalz 1946 zum Herzogtum bzw. Freistaat Bayern.

 

1840

 

 


 

Der klassizistische Hochaltar von Schreinermeister Zögler aus Weißenburg, ursprünglich für die Simultankirche in Kandel gebaut, wird nach Klingenmünster verbracht und mehrfach verändert. Von Kandel stammt auch die barocke Kanzel, die 1920 mit Reliefs ausgestattet wird.

 

1842 

 

 

 

 

Müller Wendel Keyser ist in diesem Jahr in den Besitz der ehemaligen Klostermühle gelangt. Sie wird fortan Keysermühle genannt. Der erfolgreiche Müller ist Mitte des Jhs. auch Bürgermeister im bayerischen Klingenmünster. 

 

20. Jh.

 

 

Anfang des Jahrhunderts wird das mittelalterliche Abtshaus bzw. Pfarrhaus zerstört.

 

1928-

1931

 

 

 

 

 

 

Anfang des 20. Jh. und 2003 wird die Stiftskirche restauriert. Dabei werden mittelalterliche Baureste an Kirche, Sakristei und Ostflügel wieder sichtbar gemacht, darunter die westliche Innenwand des ehemaligen dreischiffigen Langhauses. Überreste von Nord- und Südmauer der Seitenschiffe sind in den barocken Längsmauern bewahrt, Reste des Südquerarms in der barocken Sakristei. Der barocke Fußboden liegt ca. 1,20 m über dem mittelalterlichen.

 

1931-

1995

 

Der Ostflügel der Klausur wird zum kath. Pfarrzentrum umgebaut. Der Westflügel ist weiterhin privat genutzt.

 

1953

 

 

 

 

 

Die letzten Nachfahren der Keysermühle vermachen die ehemalige Mühle 1953 der Pfälzischen Landeskirche. Zahlreiche Gebäude werden abgerissen, entkernt, das Mühlrad entfernt, das gesamte Gelände umgestaltet. Aus dem verbleibenden Hauptgebäude entsteht ein kirchliches Erholungsheim für Geistliche, Beamte und Angestellte.

 

1981

 

 

Der Freundeskreis Kloster Klingenmünster e.V. wird gegründet. Er engagiert sich für den Erhalt der Klosteranlage. Mehr dazu >>>

 

1987

 

 

 

Die TU Darmstadt unternimmt umfangreiche Bauforschungen, das Landesamt für Denkmalpflege führt Grabungen im Klosterareal durch. Sie sind bislang nur ansatzweise publiziert. 

 

1988/89

 

 

 

 

 

In der Ostwand des Ostflügels befand sich im Obergeschoss eine prächtige, dreiteilige Blendarkatur, die schon 1911 ins Historische Museum der Pfalz in Speyer verbracht wurde (unzugänglich). In Klingenmünster wird 1995 eine Kopie als Dekoration der Ostwand des ehemaligen Refektoriums angebaut.

 

2003-

2005

 

Die Stiftskirche wird unter Stiftspfarrer Egon W. Emmering einfühlsam renoviert und die Ausstattung als barocke Landkirche behutsam ergänzt.

 

2009

 

 

 

 

Die Bürgerstiftung Pfalz erwirbt die ehemalige Stiftsmühle (Keysermühle) von der Pfälzischen Landeskirche und lässt Gebäude und Gelände aufwändig sanieren und als integratives Hotel mit Tagungs-, Restaurant- und Kulturbetrieb einrichten. 

 

2015

 

 

 

 

 

Die Umfassungsmauer des Kloster- bzw. Stiftsbezirks ist teilweise noch erhalten. Die heute das Stiftsgelände durchquerende, von Heuchelheim und Silz kommende Straße, entstand erst im 19. Jh. Im Südosten gab es lediglich ein Tor zu den Gebäuden der Stiftsmühle (Stiftsgut Keysermühle)

 

   
   
   
 

Quellen:

Pfälzisches Klosterlexikon, Handbuch der Pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden Band 2 (H-L), Thorsten Unger, Martin Wenz, Matthias Untermann, Inst. für Pfälzische Geschichte und Volkskunde

 

Clemens Jöckle, Stiftskirche und ehemaliges Benediktinerkloster Klingenmünster, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg

 

Jürgen Müsel, Die Keysermühle, Von der Mühle des Klosters Klingenmünster zum Stiftsgut Keysermühle, Publikation Stiftsgut Keysermühle

 

Zusammengestellt von Angelika Burkhard